Einmischen für eine Zukunft bei und mit VW

„Das VW-Management will die Kosten für den organisierten Abgasbetrug bei der Belegschaft eintreiben und nennt das einen ‚Zukunftspakt‘. Doch die Vernichtung von Arbeitsplätzen ist kein Konzept für die Zukunft und auch nicht für die Gegenwart“. Diese Aussage von Herbert Behrens (Die Linke) kann man unterschreiben, doch reicht sie nicht aus.

Personalabbau über ATZ entlang der demographischen  Kurve statt Entlassungen, eine Arbeitsplatzgarantie von 9 Jahren für die Stammbelegschaft, statt Standortschließungen zukunftsfähige Produkte für jedes Werk und Personalaufbau, da wo es nötig ist! Diese Festlegungen im Zukunftsvertrag würden sich viele in dieser Republik wünschen, sie sind ein Erfolg des Betriebsrates und der IGM.

Tarifverträge sind immer Ausdruck des Kräfteverhältnisses zwischen den Verhandelnden.

Die Belegschaft von Opel kann ein Lied davon singen. Der Standort Bochum wurde geschlossen. Die Garantien beim Verkauf an Peugeot, dieaus alten Verträgen stammen, sind weitaus schlechter als bei VW. Und damit kommen wir zum Kern, nämlich dem VW-Gesetz mit seiner erweiterten Mitbestimmung und der Rolle des Landes Niedersachsen. Das ist die Basis auf der der Betriebsrat agieren kann. Deshalb ist die Verteidigung dieses Gesetzes so wichtig. Den Anteilseignern, in erster Linie der Porsche/Piech-Clan und die Scheichs von Katar, stinkt es schon lange, dass der „Laden“ ihnen zwar gehört, sie aber zu wenig zu sagen haben und der Gewinn nie hoch genug ist. Das war der Hintergrund der Auseinandersetzung über die Zahlung einer Dividende im letzten Jahr und das könnte auch ein Motiv für die Anschuldigungen von Piech gegen das damalige Präsidium des Aufsichtsrates sein, auch wenn er damit zugibt, selbst früher informiert gewesen zu sein!

Wo bleibt die Transparenz?

Spekulation? Ja gewiss, aber wie soll man wissen, ob ein Herr Stadtler oder ein Herr Winterkorn früher Bescheid wussten oder gar eine aktive Rolle beim Betrug gespielt haben, wenn die Untersuchungsergebnisse nicht veröffentlicht werden. Bislang war die Begründung, dass der Kompromiss in den USA gefährdet sei. Das ist jetzt Geschichte. Klar, vielen Beschäftigten hängt der Abgasbetrug zum Hals raus: fast täglich in den Schlagzeilen der Presse, die Häme von Nachbarn und Freunden und dann noch die Folgen ausbaden, das ist nicht angenehm. Aber es gibt keinen anderen Weg als vollständige Aufklärung und stärkere Einmischung. Darauf sollten auch Betriebsräte und IGM drängen, damit sie von interessierter Seite nicht immer wieder mitverantwortlich gemacht werden.

Sich wehren macht selbstbewusst!

Der Konflikt um die 3.Schicht in der Golffertigung in Wob und die Verlängerung bzw. Übernahme von Leiharbeitern wird nicht der letzte sein. Den Finger in die Wunde legen, wenn wichtige Vereinbarungen im Interesse der Beschäftigten nicht umgesetzt werden, ist genauso nötig wie sich wehren gegen Unterbesetzung und verschärfte Arbeitshetze. Weiter um Boni und höheres Entgelt streiten und mit der IGM gegen den Sinkflug der Rente kämpfen steht auf der Tagesordnung.

Für Visionen streiten!

Verteidigung des Erreichten ist wichtig, reicht aber nicht. Auch Elektroautos alleine bedeuten noch nicht die Zukunft. Wie sollen wir Kraft entwickeln ohne die Vorstellung von einer solidarischen Gesellschaft, in der  alle Menschen in Frieden, bescheidenem Wohlstand und in einer intakten Umwelt leben? Einmischen auch über den Betrieb hinaus ist angesagt!

Dies ist der Leitartikel des roten Käfer der März-Ausgabe. Die ganze Ausgabe finden sie hier.

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